...sie laden mich ein, sie zu gestalten...sie gestalten sich selbst und mich mit...wir finden unsere Gestalt...

ICHundICH

ICHundICHAn manchen Tagen hatte sie keine Ahnung, wer und wie sie war... und schon gar nicht, wie und was sie fühlen und sein sollte.

Sollte sie schreien oder lieb lächeln? Sollte sie ihr Zimmer in rot oder in blau einrichten? Sie hatte Sorge, dass wieder einmalICHundICH 1 ein Zimmer ganz in blau wäre. Deshalb entschied sie sich für rot. Als sie fertig war, ging sie durchs Haus, um ihr Werk zu bewundern und stellte mit Erschrecken fest, dass alle Zimmer in Rottönen gehalten waren. Wie hatte das passieren können?

Um zu vermeiden, dass alles blau würde, hatte sie alles rot gemacht. Sie ärgerte sich sehr und fühlte sich von sich selbst aufs Äußerste missachtet und missverstanden... Also schrie sie ihre gnadenlose Wut, ihre bitter-salzige Enttäuschung und ihre tiefe Verzweiflung in alle Räume hinein. Sie setzte sich schließlich in einen ihrer vielen roten Sesseln und schloss erschöpft die Augen, um das dunkelrote ICHundICH 2Regal und die hellroten Vorhänge gegenüber nicht mehr sehen zu müssen.

Sie schlief ein und träumte von einer Welt, in der blau und rot nebeneinander sein durften und äußerst gut harmonierten. In dieses blau-rote Bild wagten sich nach einiger Zeit auch grün und gelb und zuletzt alle anderen erdenklichen Farben hinein...ICHundICH 3

Erfüllt und inspiriert von diesen lebendig-bunten Bildern wachte sie am nächsten Morgen gestärkt auf und schritt entschlossen zur Tat: Ohne das Rot zu vernichten, füllte sie ihre Räume mit den traumhaftesten Farben bis sie ganz zufrieden war und dachte: ">ICHundICH< sind doch ein gutes Team. Wir müssen nur beide sein und immer daran denken, dass so ein kleiner Sprung in der Schüssel nicht zwingend weh tun muss!"

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