...sie laden mich ein, sie zu gestalten...sie gestalten sich selbst und mich mit...wir finden unsere Gestalt...

bella-donna

bella-donna_8Mit einer hastigen Handbewegung wischt sie die heiße, blutige Träne weg, die ihr aus dem linken Augenwinkel über die makellose Wange rollt. Aufmerksam lauscht sie den beschwingten Schritten hinter den hohen Buchen, die den Weg zu ihrer Lichtung weisen. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen; sie weiß, dass sie nicht mehr lange warten muss...

Sie tritt einen Schritt zurück in den Halbschatten, der ihre dunklen Ringe unter den Augen verbirgt und wartet. Ruckartig bleibt der schöne junge Mann stehen, als er die Lichtung betritt und ihrer gewahr wird. Er blickt in ihre nachtdunklen Augen, sieht nur noch sie, die mit den Waldpflanzen zu verschmelzen scheint. Noch nie hat er etwas so Schönes gesehen. "Wer bist du? Wie heißt du?", fragt er zögernd.bella-donna_5 In einer anmutigen Bewegung wendet sie ihm ihr Gesicht zu und antwortet: "Gib mir den Namen, den du für mich hast." "Schöne", entfährt es seinen Lippen. "Wie recht du hast", erwidert >bella-donna< lächelnd, "...und jetzt komm zu mir und erfahre, mein Süßer!" Sie öffnet ihre Arme und ist Lockruf, Verführung und Gefahr zugleich.

bella-donna_7Sanft berührt er ihre Wange; sie fährt ihm durchs verschwitzte Haar und haucht einen zarten Kuss auf seine Lippen. Er kann nicht mehr an sich halten; er will sie ganz; sie lässt sich nehmen und nimmt ihn. Wild und ungestüm vollführen sie einen Tanz der Ekstase, bis Zeit und Raum entschwinden. Ineinander und mit dem feuchten Moos verschmolzen, durchleben sie einen unendlichen und verschwindend kurzen Augenblick des Eins-Seins, bis sie ihre Finger über seine glatte Brust gleiten lässt, sein Herz mit einer schnellen Bewegung herausreißt, wollüstig ihre weißen Zähne in das warme Fleisch gräbt und es genüsslich verschlingt. Es bleibt nur ein kurzer Bruchteil eines Moments für die Angst in seinem Blick, die sie nicht sehen will... Als er reglos und leer neben ihr liegt und diese Welt für immer verlassen hat, kriecht ihr der rote Schmerz durch alle Glieder, hinauf in ihr nächtliches Herz...

Mit einer hastigen Handbewegung wischt sie die heiße, blutige Träne weg, die ihr aus dem linken Augenwinkel über die makellose Wange rollt. Aufmerksam lauscht sie...

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