...sie laden mich ein, sie zu gestalten...sie gestalten sich selbst und mich mit...wir finden unsere Gestalt...

alters-stärke

alters-stärke_2Als die Zeit kam, da niemand mehr an Drachen glaubte, verlor der große grüne Drache seine strahlende Farbe. Jedes seiner wunderbaren Feuer wurde entweder auf eine achtlos im Wald weggeworfene Zigarettenkippe oder auf ein nicht gründlich gelöschtes Lagerfeuer zurückgeführt.

Mit einem Schlag wurde er alt und grau; sein Feuer, das einst so schön gelodert hatte, erlosch... Was sollte er also noch? Meist schlief er in seiner abgelegenen, dunklen Höhle am Fuße des hohen Berges. Ansonsten wartete er auf den Tod, der sich jedoch Zeit ließ...

In diesen vielen Jahren des Wartens wuchs sein Ärger darüber, nicht einfach friedlich sterben zu dürfen, stetig an, und deralters-stärke_3 große graue Drache begann sich wieder zu regen. Er verließ sein Schattendasein und seine Schlafstatt, stellte sich auf einen Hügel und ließ den Blick über die Landschaft streifen. Am Horizont sah er die Städte sich ausdehnen; die Wälder, die er so groß, prächtig und satt in Erinnerung hatte, schienen um ein Vielfaches geschrumpft. Das Wasser des Baches schmeckte fahl, und aus allen Richtungen erscholl ein dröhnender, ihm unbekannter Lärm. Sein Zorn wuchs ins Unermessliche; er stieß seinen stärksten, lautesten Drachenschrei aus, sodass der Boden unter ihm erzitterte. Deutlich fühlte er die immense, unbändige Kraft, die ihn durchströmte. Er schrie und brüllte...; langsam eröffnete sich auch das einst erloschene Drachenfeuer wieder und wuchs zu ursprünglicher Macht und Intensität heran.

Er wird mit Sicherheit alle wieder an Drachen glauben machen... und dann vielleicht in Ruhe und zufrieden an >alters-stärke< sterben dürfen...

 

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